Colombin - An Austrian Band


to sober | ernüchtern

Bernd, am 26. Mai 2010

Wenn ich es mal schaffe zwei Tage am Stück nüchtern zu bleiben, mein Hirn aktiv zu halten und um 22.00 Uhr noch bereit bin eine Erörterung zu schreiben, dann verstehe ich warum Michael seit fast fünf Monaten abstinent lebt.

Weil die Erörterung von Martin Luther King handelt hat mein Kopf anscheinend eine Verbindung zu Neil Young, einem anderen großartigen Mann, hergestellt und mich daran erinnert, dass mir Michael das Album “Zuma” kürzlich ans Herz gelegt hat. Auf meine Frage nach dem warum antwortete er: “Cortez The Killer”.
Nachdem ich den Song jetzt gehört habe wollte ich auf Wikipedia nachsehen worums da eigentlich geht, in dem Stück.

Ziemlich am Ende des Artikels stand da dieser Satz:

“Jim Jarmusch, Bradford Cox and Randy Randall covered the song in 2009 for a video on the website of Pitchfork Media”



Merke: Öfters nüchtern sein! (Also nicht bloß alkoholtechnisch, vielleicht sind offen und neugierig bessere Worte dafür) Dann entdeckt man manchmal Großartiges.


Konzertvorbereitung, Tag 24

Michael, am 26. Mai 2010

Es sind noch 8 Tage übrig. Dann stehen wir auf der Bühne des B72 in Wien.

Ich bin etwas genervt, weil meine Geräte nicht so tun wie sie sollten, aber ansonsten geht es mir gut. Ich habe heute einen der zwei ausständigen Songtexte geschrieben, nachdem ich das in den letzten Tagen vor mir hergeschoben hatte, weil Texte schreiben für mich immer einer Tortur gleichkommt. Die größte Hürde beim Dichten ist für mich die Selbstüberwindung. Danach kommt der Refrain, beziehungsweise der Teil, mit dem man anfängt. Da kann man sich nirgends anhalten und verliert schonmal vorzeitig den Mut. Sobald man erstmal eine prägnante Textstelle hat – und wenn es sich dabei nur um eine Zeile handelt – ist der Rest eine gemähte Wiese.

Morgen kommt Bernd wieder ins Burgenland runter um zu proben. Mal schauen, wie sich die neue Nummer mit Text anhört. Weltpremiere!


Konzertvorbereitung, Tag 21

Michael, am 23. Mai 2010

Es sind nur mehr 11 Tage bis zu unserem Konzert. So viel Zeit ist das gar nicht.

In den letzten Tagen habe ich einfach nicht in die Arbeit gefunden. Zuviele Ablenkungen, zuviel unternommen, trotz Regen. Heute haben wir geprobt, und es war gut. Nicht perfekt, aber gut.

In der kommenden Woche stelle ich die endgültigen Playback-Tracks her. Außerdem muss ich immer noch die Texte für zwei der Nummern schreiben. Dafür muss ich mich disziplinieren und überwinden. Texte schreiben habe ich noch nie gemocht. Im Gegensatz zum Komponieren empfinde ich das als tatsächliche Arbeit. Liegt mir nicht so.

Morgen Vormittag proben wir wieder. Danach muss ich mich ins Zeug legen und die restlichen Aufgaben erledigen.

Ich freue mich schon sehr auf das Konzert.


Konzertvorbereitung, Tag 17

Michael, am 19. Mai 2010

Bernd und ich hatten heute eine lange und intensive Probe. Er wird stetig besser an seinem Instrument und überrascht mich immer wieder positiv. Heute ganz besonders. Man sieht, dass er viel geübt hat in letzter Zeit. Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit unserer heutigen Performance. Immer öfter passiert es mir bei den Proben, dass ich das Gefühl habe neben mir zu stehen und einer meiner Lieblingsbands zuzuhören, so glatt und mühelos tröpfelt die Musik aus den Fingern und Handgelenken. Schon schön, wenn man so begeistert sein kann über sich selber. Doppelt schön, weil man es auch ganz anders kennt.

Ich muss mir nun Gedanken darüber machen, wie ich die Vorbereitungen fortsetzen soll. Ich muss noch die Texte für zwei Stücke schreiben, und die restlichen Texte auswendig lernen. Merkwürdig und erfreulich ist, dass ich viele der alten Songtexte heute besser beherrsche als bei manchen Konzerten früher. Vielleicht ist das der Lohn dafür, dass ich besser auf mein Blut und meine Seele Acht gebe als in den rauschbehafteten Tagen meiner verdunkelten Vergangenheit. Das hat meine Sinne geschärft und meine Statur korrigiert.

Ich bin schon ganz wirr vor Erschöpfung. Es war ein langer, voller Tag. Ich melde mich vorrausichtlich morgen wieder.


Konzertvorbereitung, Tag 16

Michael, am 18. Mai 2010

Heute habe ich die Playbacks für drei weitere Songs erstellt. In dieser Hinsicht gibt es nicht mehr viel zu tun. Jetzt heißt es üben üben üben und Texte auswendig lernen. Alles läuft wie am Schnürchen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

 

Desweiteren habe ich mir ein Bodentreter-Echo bestellt, für meine Soli, das füllt so schön. Ja, es wird richtige Soli geben, improvisierte sogar, also ohne Netz und doppelten Boden.

 

Das wird lustig!


Konzertvorbereitung, Tag 15

Michael, am 17. Mai 2010

Langsam nimmt die ganze Geschichte Form an.

 

Ich habe gestern und heute das Playback für “Erschießen” hergerichtet. Das Problem war, dass ich diese Nummer in einem Sequencer und mit einem Drumsampler produziert habe, die ich inzwischen nicht mehr verwende. Also musste ich alte Software installieren, das Projekt als Midi exportieren, und beim Import in das neue Format konvertieren. Das klingt so spannend wie es ist. Hervorheben möchte ich dabei, dass wir auch das alte Playback – ohne jegliche Änderungen – hätten verwenden können. Aber dann hätte der Auftritt rein tonal nicht wie aus einem Guss geklungen, und das hätte mich gestört. Man soll sich nicht mit weniger als mit dem Bestmöglichen zufrieden geben, zumindest nicht aufgrund von Bequemlichkeit.

 

b8lhfUTh6eiqyxk1Bkarwn1Mo1_250Dann war da noch diese Geschichte, dass ich bei der ursprünglichen Aufnahme zwei Gitarrenspuren verwendet habe. Das kann ich live nicht bringen. Deshalb habe ich mir einen neuen Part überlegt, was mir übrigens sehr schwer fiel, bis ich die hervorragende Idee hatte meinen Kapodaster zu verwenden damit ich meine Finger nicht so verrenken muss, nur weil die Nummer in C ist (was auf der Gitarre unbequem zu greifen ist, zumindest für mich, weil ich oft offene Akkorde verwende).

 

Das war es auch schon wieder.


Konzertvorbereitung, Tag 14

Michael, am 16. Mai 2010

In 18 Tagen spielen wir im B72.

Bernd und ich haben heute geprobt. Es war unspektakulär. Wir haben die Sachen runtergespielt wie Profis, ohne Murren.

Zurück an die Arbeit.


Konzertvorbereitung, Tag 13

Michael, am 15. Mai 2010

Herrje, ich bin so müde, ich beherrsche nicht mal mehr die Arithmetik um die übrigen Tage bis zu unserem Auftritt zu zählen.

Die letzten zwei Tage sind mir an die Substanz gegangen. Ich habe mich selten so erschöpft, aber auch selten so lebendig gefühlt. Ich kann mich an jeder Stelle meines Körpers spüren, ohne dass ich an mir rumspiele oder so.

Morgen proben wir wieder.


Konzertvorbereitung, Tag 11

Michael, am 13. Mai 2010

Morgen in drei Wochen beschallen wir euch mit Tönen. Ich kann es kaum erwarten.

 

Am Vormittag habe ich die Drum-Spur für “Manchmal” zusammengeschustert. Bei den Proben am Nachmittag hat Bernd während dieser Nummer allerdings so gelitten, dass wir entschieden haben die Nummer nur in äußerster Not ins Programm aufzunehmen. Hat ja keinen Sinn, wenn nicht alle Spaß dabei haben. Außerdem liegt damit ein Präzedenzfall vor, der mir in Zukunft vielleicht zugute kommt. Wenn einer oder eine von euch das Lied gerne gehört hätte – ich blicke in deine Richtung, C. – dann kann er oder sie das mit Bernd besprechen. Ich halte mich da raus. Mir ist es egal.

 

Wir haben die Proben gefilmt. Ich hatte noch keine Zeit das Material zu sichten, aber wenn es okay ist, dann kommt da vielleicht etwas Bewegtes auf euch zu. Ich verspreche aber nichts.

 

Das war es auch schon wieder.


Konzertvorbereitung, Tag 10

Michael, am 12. Mai 2010

In 22 Tagen spielen wir unsere Lieder für euch, im B72 in Wien. Zweiundzwanzig. Welch’ schöne Zahl!

Heute habe ich die Schlagzeugspuren für “Zeit” und “Diese Stadt” fertiggestellt. Wir haben nun das Backing für etwa ein Drittel unseres Programms. Ich würde sagen, wir liegen ganz gut in der Zeit. Ich habe in den letzten Tagen einen effizienten Workflow entwickelt, also sollten die restlichen Nummern noch diese Woche fertig werden. Ich bin frohen Mutes.

Heute habe ich mit meiner Muskelkraft-Kur und einem kardiovaskulären Training begonnen. Ich möchte am 3. Juni fit für euch sein und mich von meiner attraktivsten Seite zeigen, voller Sprungkraft und Elastizität. Hoffentlich wird dann auch ausgiebig fotografiert. Vielleicht nehme ich meine eigene Kamera mit auf die Bühne und halte den Ausdruck in euren Gesichtern fest. Bernd meint immer, die Leute im Publikum schauen so blöd, da fühle er sich unwohl, weil ihn das daran erinnere, dass er genauso blöd schaut, wenn er im Publikum steht. Ich habe das so noch nie wahrgenommen. Wenn ich auf die Bühne gehe, betrete ich ein Séparée. Alles was außerhalb davon passiert, betrifft mich nicht, außer der Applaus zwischen den Stücken. Wenn mir also einer oder eine von euch auf die Bühne winkt und ich abweisend oder desinteressiert wirke, nehmt es nicht persönlich. Ich würde ja gerne anders, aber ich bin dazu nicht fähig.

In der Zwischenzeit freue ich mich auf Freitag, da besuchen Bernd und ich das Konzert der großartigen Band Hella Comet im guten Rhiz (in Wien). Wer mit uns plaudern will kann ja ebenfalls kommen und uns dort anstupsen. Ich kann es jedem Fan der Rockmusik nur wärmstens empfehlen. Eine Warnung möchte ich aber vorausschicken: es könnte laut werden.






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