Colombin - An Austrian Band


Ein Maß der Ruhe und des Fleißes

Michael, am 12. Juni, 2010

Ohne das geringste Augenzwinkern kann ich verkünden, dass der letzte Monat, der Mai im Jahre 2010, einer der besten Monate meines Lebens war. Noch nie zuvor bin ich mit solch einer Intensität meiner Berufung gefolgt, Musik zu atmen, zu verdichten, mitzuteilen. Noch nie zuvor habe ich mich so authentisch gefühlt. Wenige Tage nach unserem Auftritt wurde ich in einem Aufwisch von einer Erkältung, einer kreislaufschwächenden Hitzewelle, sowie einer allergischen Reaktion auf den rumflirrenden Blütenstaub überrollt. Ich habe schon bessere Tage gesehen. Aber bei all diesen Dingen handelt es sich bloß um Bagatellen. Was mich im Moment tatsächlich bekümmert ist das Fehlen einer (vermeintlich) großen Aufgabe, der ich mich mit aller Kraft zuwenden wollen kann. Meine größte Angst, das Thema meines lebenslangen Leidensweges, besteht darin in einem modernden Sumpf aus Langeweile zu versickern und schlussendlich in der Obskurität unterzugehen. Diese Angst war im Mai entkräftet und überwunden. Eine einmonatige Exkursion in die Gefilde der Wirksamkeit. Jetzt fühle ich mich wieder so nutzlos, als ob ich nie etwas gewesen wär.

 

Meine körperlichen Beschwerden habe ich zum Großteil überwunden. Nur die Hitze, die bekommt mir einfach nicht: mir wird schwarz vor Augen, mehrmals am Tag. Mein Kreislauf ist ein träges System. Ich bin eine Pflanze. Damit kann ich leben.

 

Ich habe wieder begonnen an neuem Material zu arbeiten, gegen die eigene Irrelevanz anzuschreiben. Ich wollte meinen Stift im Juni ruhen lassen, um mich anderen Dingen zu widmen, aber in der Unproduktivität verliere ich mein seelisches Gleichgewicht. Und dann geht nicht mal mehr irgendwas.

 

Nicht mal mehr Unzufriedensein.


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