Es war im Oktober letztens Jahres, wenn ich mich richtig erinnere. An einem der seltenen Tage, an denen ich mich überwinden konnte unsere MySpace-Seite auszumisten, klickte ich durch die Profile der Freundschaftsanfragen und blieb bei einer Band mit dem dichterischen Namen Hella Comet hängen. Was ich dort zu hören bekam, von dieser mir völlig unbekannten Gruppe, versetzte mich zurück in die fantastische Zeit vor circa sieben Jahren, als die Liebe zum Post-Rock in mir aufflammte, und ich mit jeder der Kult-Bands dieses Genres, die ich für mich entdeckte, den Begriff von erwachsener Musik neu definieren musste. Der Sound von Hella Comet ist dicht und dramatisch, ohne einen Funken von Rührseligkeit. Wenn sie in einem Club spielen, kann es außergewöhnlich laut werden. Wer keine Sensibilität für die Schönheit schwerer Krachteppiche hat, wird hier überfordert. Ich stand letzten Donnerstag im Publikum – starr wie eine Säule – und ging streckenweise minutenlang in mir selbst verloren, eingekringelt in einem Bett aus Breitband-Rauschen. In diesen Momenten fuhr eine Ergriffenheit durch meinen Leib, die mich so hocherregt zurückließ, dass ich mir inmitten des restlichen Publikums entblößt vorkam.
Hella Comet sind anscheinend seit langem ein Geheimtipp. Das wird sich ändern. Man hat sich für das Debut viel Zeit gelassen, für den Sprung in die Öffentlichkeit. Zumindest mir persönlich sind keine Vorläufer zum aktuellen Album bekannt – es lässt sich aus meiner Sicht keine Entwicklung bezeugen. Mit diesem Release ist dafür ein großer Wurf gelungen. Das Design der zugehörigen Drucksachen untermalt die Musik mit großem Einfühlungsvermögen. Offensichtlich ist hier ein Netzwerk von fähigen Komplizen am Werk. Die Platte ist in meinen Augen so makellos, dass sie für mich einige Fragen aufwirft. Wo fing das an, und wann? Hella Comet sind auf einmal aufgetaucht, es war ein Augenblick. Scheinbar ohne Vergangenheit, ein bisschen wie Shakespeare.
Ich mag Shakespeare.
Die Platte ist hier erhältlich auf Vinyl, inklusive CD und MP3-Download. Es gibt dort auch eine EP für umsonst.
Probe gestern harmonisch verklungen. Ansonsten nichts Neues an der östlichen Front.
Das folgende Video beginnt mit einem Vortrag (Englisch) über die wirtschaftlichen Aspekte von Facebook-Spielen, der anschließend ausartet in eine turbulente Zukunftsprognose, die bei aller Skepsis als durchaus wahrscheinlich betrachtet werden kann. Anreiz und technische Durchführbarkeit sind jedenfalls gegeben. Es geht um sensorische Einweg-Technologie als Abfallprodukt, sowie der Massenmanipulation durch den kalkulierten Gebrauch unseres Strebens nach Belohnungen, sowohl in kommerziellen als auch in kulturellen und ökologischen Belangen. Wer wissen möchte, was hinter diesem Satz steckt, nimmt sich eine halbe Stunde Zeit dafür:
Letzte Nacht habe ich geträumt, mein Vater sei gestorben. Es war erschütternd. Vor zehn Minuten hat er beim Mittagessen erwähnt, er müsse sich erkundigen, was ein Grab im Mattersburger Friedhof kostet. Er macht es mir nicht gerade leicht.
Vorgestern habe ich mit Ivan telefoniert. Ivan war unser Schlagzeuger während er in Wien wohnte, bis er schließlich wieder nach Kroatien zog, wo er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Er hat jetzt ein elektrisches Schlagzeug-Set und hat angeboten Drum-Spuren für uns einzuspielen. Bernd und ich finden das interessant. Wir müssen noch die technischen Details klären, aber in Prinzip sind die Hürden nicht besonders hoch, über die moderne Telekommunikation miteinander Musik zu machen.
Ich war nicht untätig in der letzten Zeit. Aber ich sollte mal wieder neues Material schreiben. Bei den Proben hat bis jetzt alles so gut funktioniert, dass wir inzwischen schon wieder fast im Leerlauf stehen. Ein weiteres Mal heißt es: auf in den Kampf gegen die Prokrastination!
Die letzte E-Mail an meine Brieffreundin im Pazifik ist 1300 Wörter lang. Pfuh.
Bernd und ich hatten heute eine sehr gute Probe im t-on. Wir waren sehr zufrieden mit uns. Zwei Nummern sind aufführbereit, eine dritte auch, sobald ich den Text überarbeitet habe. Wir waren wirklich gut. Mit Sicherheit eine Klasse besser als bei unseren bisherigen Auftritten. Ich blicke mit Vorfreude darauf wieder auf der Bühne zu stehen.